Arbeitsrecht & Mediation Berlin

Arbeitnehmer und Arbeitgeber brauchen Regeln und Rituale 18.12.2009

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Warum ist das so ?
Da ist die Arbeitnehmerin, die seit 20 Jahren im Unternehmen ist. Jetzt droht die Kündigung, weil sie seit Jahren Fehler macht und sich jetzt die Kollegen beschweren; sie kommt zu spät zur Arbeit geht aber pünktlich. Der Arbeitgeber hat das schon länger gesehen und es störte ihn, aber konkret reagiert hat er bislang nicht. Jetzt will der Arbeitgeber kündigen und die Arbeitnehmerin ist völlig fassungslos, weil sie doch nichts verkehrt gemacht hat. Sie fühlt sich von den Kollegen "gemobbt".
Oder da ist der Arbeitnehmer, der seit über 10 Jahren im Unternehmen ist. Jetzt wird er gekündigt. Der Arbeitgeber erklärt, er sei schon lange Zeit unzufrieden, weil der Arbeitnehmer viel weniger schaffe, als die anderen Kollegen. Der Arbeitnehmer ist fassungslos und klagt gegen die Kündigung. Das Ganze endet mit einem Vergleich und der Zahlung einer Abfindung. Der Arbeitsplatz ist verloren.
von Marcus Bodem (Wirtschaftsmediator und Fachanwalt für Arbeitsrecht)

Was ist passiert ?
Jede Beziehung braucht Regeln – auch das Arbeitsverhältnis -. In vielen Fällen werden Regeln stillschweigend vereinbart. Diese unausgesprochenen Regeln und damit Erwartungen fallen den Beteiligten – so scheint es – irgendwann auf die Füße. Arbeitgeber und in vielen Fällen erst recht die Arbeitnehmer sind enttäuscht, aber sie sprechen nicht darüber.
Natürlich gibt es viele Fälle, in denen das Arbeitsverhältnis irgendwann beendet wird, weil der Arbeitnehmer tatsächlich zu viele Fehler macht oder sich unangemessen verhält, so dass es nicht mehr hinnehmbar ist; Fälle, in denen der Arbeitnehmer seine Stellung im Unternehmen und seine Kompetenzen verkennt.
Ebenso häufig fehlen aber in den Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe und der Existenz eines Betriebsrates – regelmäßige Mitarbeitergespräche, in denen Arbeitnehmer und Vorgesetzte (Arbeitgeber) ihre Kritik wechselseitig äußern (können). Kritik wird als Schwäche empfunden; da spricht man nicht drüber, man versteckt sich hinter den Fehlern von Kollegen oder den Fehlern des Chefs und der wiederum hinter den Fehlern seiner Mitarbeiter.
Da Fehler bekanntlich jeder macht, ist es sinnvoll die erforderliche Kritik zu üben. Erst dadurch wird im Ergebnis auch der Erfolg des Unternehmens sicher gestellt. Kritik (positive und negative Kritik) bedürfen eines besonderen Rituals, d.h. es muß einen Rahmen geben, in dem diese Kritik möglich ist.
Flurgespräche, in denen man sich kurz austauscht, sind sehr wichtig, sie können aber die regelmäßigen Mitarbeitergespräche nicht ersetzen. Flurgespräche stärken den sozialen Kontakt, sie haben aber zugleich den Nachteil, dass man sich an den Inhalt nicht immer genau erinnert oder vielleicht sogar erinnern will.
Erst der Rahmen, in dem das Gespräch stattfindet und die schriftliche Notiz über den Inhalt geben dem Gespräch die erforderliche Bedeutung und Nachhaltigkeit.

von Marcus Bodem (Wirtschaftsmediator und Fachanwalt für Arbeitsrecht) Berlin

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