Arbeitsgericht Düsseldorf: Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf Mitnahme ihres Hundes an den Arbeitsplatz :)

(05.09.2013)

1. Ein Arbeitnehmer muss sich der Weisung seines Arbeitgebers beugen und darf seinen Hund nicht mit ins Büro nehmen.

2. Auch für den gestellten Hilfsantrag auf Durchführung eines weiteren Trainings am Arbeitsplatz mit einem Hundetrainer fehlte es tatsächlich an einer Anspruchsgrundlage.

3. Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, der Klägerin die Mitnahme des Hundes zu gestatten, wenn dieser in einem Gitterlaufstall gehalten, bzw. an einer Leine geführt und mit einem Maulkorb versehen werden.

(Verfahren im Rheinland, außerhalb der Karnevalszeit) Arbeitsgericht Düsseldorf Aktenzeichen: 8 Ca 7883/13

Der Fall wurde wohl nur deswegen zum Gerichtsverfahren, weil andere Mitarbeiter ihre Hunde zur Arbeit mitbringen durften. Das arme Arbeitsgericht.

Die Kammer  hat nicht einfach die Klage des Arbeitnehmers wegen Absurdität und in Ermangelung jeglicher Anspruchsgrundlage abgewiesen. Die Kammer sah es nach Vernehmung von Zeugen  (also nach erfolgter Beweisaufnahme) „als erwiesen an, dass sich sowohl Mitarbeiter als auch einer der Geschäftsführer von dem Hund bedroht fühlten. Ob dies letztlich im Charakter des Hundes begründet sei, könne dahinstehen. Auf jeden Fall seien Arbeitsabläufe gestört worden. Es sei auch den Besonderheiten einer Werbeagentur geschuldet, dass eine rege Kommunikation und damit viel Bewegung in den Räumen stattfinde. Eine Einschränkung dieser Kommunikation aufgrund der Befürchtungen, die Mitarbeiter vor dem Hund haben, müsse der Arbeitgeber nicht hinnehmen.“ Das war dann der sachliche Grund von der Gleichbehandlung (Willkürverbot) abzuweichen und den Hund vom Arbeitsplatz zu verbannen.

Gleichzeitig drängt sich da die Frage auf: Soll das heißen, in Betrieben mit wenig Kommunikation darf man Vögel, Katzen und Hunde mitbringen? Am besten alle Mitarbeiter, egal ob 2 oder 40 oder 100; alle bringen ihre Tiere mit und der Arbeitgeber darf nichts Gegenteiliges unternehmen, wenn jeder in seinem Zimmer bleibt und Arbeitsabläufe nach Ansicht eines Gerichts nicht gestört werden. Im Zweifel kann man den Opa auch mitbringen, der dann auf den Hund aufpasst, wenn man das Zimmer verlässt? Jeder Mitarbeiter bringt zum Arbeitsplatz mit, was nicht zuhause bleiben will (Hunde, Katzen, Vögel, Partner, Kinder, Eltern Großeltern, Freunde usw.)

Zurück zum Fall:
Kollegen der Klägerin hätten sich an ihrem Arbeitsplatz nicht wohl gefühlt. Auch die diesen Arbeitnehmern gegenüber bestehende Fürsorgepflicht stelle einen Sachgrund dar, aufgrund dessen der Arbeitgeber dem Hund der Klägerin den Zutritt zum Büro versagen könne, auch wenn er anderen Mitarbeitern erlaubt, ihren Hund zur Arbeit mitzubringen.

Empfehlung:
Wenn man die Tür für Sonderregeln öffnet (aus welcher missverstanden Großzügigkeit / Lockerheit), wird sie häufig weit aufgerissen.
Personalführung bedeutet insbesondere Rollenklarheit des Arbeitgebers und  klare und eindeutige Vorgabe der Regeln, nach denen im Unternehmen gearbeitet und kommuniziert wird.
Arbeitgeber sind daher gut beraten, keine Sonderregelungen zu zulassen und selbst mit gutem Beispiel voranzugehen.

 



Autor:
Marcus Bodem
marcus.bodem@ecovis.com
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