LAG Hessen: Manipulation der Zeiterfassung kostet nach mehr als 25-jähriger Betriebszugehörigkeit den Job. Fristlose Kündigung wirksam

(17.09.2014)

1. Die fristlose Kündigung wegen Arbeitszeitbetrugs ist gerechtfertigt.
2. Da die Zeiterfassung ein Akustiksignal sendet, wenn ein Mitarbeiter sich an- oder abmeldet, ist ein Versehen des Klägersausgeschlossen.
3. Der Mitarbeiter hat bewusst nur so getan, als würde er die Anlage bedienen. Wegen des fehlenden akustischen Signals habe dieser gewusst, dass er den Chip erfolgreich abgedeckt hatte.
4. Dem Arbeitgeber ist es wegen des vorsätzlichen Betrugs nicht zumutbar, nur mit einer Abmahnung zu reagieren. Der Vertrauensbruch wiegt schwerer als die lange Betriebszugehörigkeit.


Der Fall nach der Pressemitteilung des LAG

Der verheiratete 46 Jahre alte Kläger, der Vater eines Kindes ist, war seit mehr als 25 Jahren in einer Großmetzgerei beschäftigt. Beim Verlassen des Produktionsbereichs wegen privater Arbeitsunterbrechungen müssen die Mitarbeiter eine Zeiterfassung über einen Chip bedienen. Ebenso müssen sie sich rückmelden, wenn sie den Produktionsbereich wieder betreten. Der Kläger wurde dabei beobachtet, dass er den Chip in seiner Geldbörse ließ und zusätzlich mit seiner Hand abschirmte, wenn er diesen vor das Zeiterfassungsgerät zum An- und Abmelden hielt. Eine Kontrolle durch den Arbeitgeber ergab, dass der Kläger in 1,5 Monaten so Pausen von insgesamt mehr als 3,5 Stunden gemacht hatte, ohne sich an- und abzumelden. Die Zeiten waren bezahlt worden.

Das Hessische Landesarbeitsgericht hat die Revision zum Bundesarbeitsgericht nicht zugelassen.

Hess. LAG 17.2.2014 – 16 Sa 1299/13 –



Autor:
Marcus Bodem
marcus.bodem@ecovis.com
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